Elektroauto & Werkstatt
Elektroauto & Werkstatt: Warum kleine Betriebe starke Partner sind
Das Elektroauto verändert nicht nur, wie wir fahren, sondern auch, was in der Werkstatt passiert. Es gibt weniger Standardarbeiten, dafür mehr Elektronik, Software und Diagnose. Viele sehen darin eine Bedrohung für kleine Betriebe.
Wir sehen das differenzierter: Gerade kleine, freie Werkstätten können in diesem Wandel wertvolle Partner werden, für Autohäuser, Gewerbekunden und andere Betriebe. Wichtig ist, ehrlich auf Chancen und Hürden zu schauen. Genau das versuchen wir hier.
Was sich am Auto ändert
Ein Elektroauto hat keinen Verbrennungsmotor, kein Schaltgetriebe und keine Abgasanlage. Damit entfallen viele Arbeiten, mit denen Werkstätten bisher regelmäßig Geld verdient haben. Andere Arbeiten bleiben, und einige kommen neu hinzu.
Fällt weg
- Ölwechsel
- Zündkerzen
- Auspuffanlage
- Abgasuntersuchung
Bleibt
- Reifen und Fahrwerk
- Bremsen (mit weniger Verschleiß)
- Klima und Innenraumfilter
- Hauptuntersuchung
Kommt neu
- Hochvolt-Technik und Akku-Prüfung
- Diagnose und Software
- Kalibrierung von Assistenzsystemen
- Wärmepumpe und Thermomanagement
Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) sagt dazu im Januar 2026: Der Wartungsaufwand ist bei E-Autos insgesamt geringer als beim Verbrenner. Bei Schadensreparaturen kann die Rechnung dagegen höher ausfallen, weil mehr elektrische und komplexere Komponenten verbaut sind. Über die durchschnittliche Haltedauer seien die Reparatur- und Wartungskosten bei den meisten Marken und Modellen vergleichbar (AUTOHAUS, 26. Januar 2026).
Was das für Werkstätten bedeutet
Der Service ist für die Autobranche wichtig: Laut ingenieur.de macht das Werkstattgeschäft etwa ein Fünftel der Gesamtumsätze der Branche aus. Fällt Standardwartung weg, merkt man das. Als Beispiel nennt der Artikel Norwegen, wo rund 96 Prozent der neuen Autos elektrisch sind. VW meldet dort einen Rückgang des Werkstattumsatzes um 46 Prozent, Zeitraum und genauer Umfang bleiben dabei offen (ingenieur.de, 30. Mai 2026).
Für Betriebe, die sich ausschließlich auf klassischen Service wie Ölwechsel und Inspektion konzentrieren, wird es also enger. Der Artikel beschreibt, dass viele kleinere Werkstätten erst einmal abwarten, ob genug E-Autos kommen, um teure Schulungen und Ausrüstung zu rechtfertigen.
Unsere Einschätzung: In Deutschland ist der Wandel langsamer als in Norwegen, denn die Zahl der Verbrenner im Bestand bleibt noch viele Jahre hoch. Wer jetzt Schritt für Schritt Kompetenz aufbaut, statt zu warten, hat einen Vorsprung, wenn der Anteil steigt.
Zwei echte Hürden
Hürde 1: Hochvolt-Qualifikation. Wer an Elektro- und Hybridfahrzeugen arbeitet, braucht eine Ausbildung nach der DGUV Information 209-093. Die Grundstufe ist die „sensibilisierte Person“ (Stufe S), die einfache Service-Arbeiten wie Reinigung, Wischerblätter oder Nachfüllen von Betriebsstoffen erlaubt. Darauf bauen weitere Stufen auf. Die „fachkundige Person“ der Stufe 3S darf zum Beispiel auch an unter Spannung stehenden Hochvolt-Systemen arbeiten (TÜV NORD). Man muss also nicht von null auf alles gleichzeitig umstellen, sondern kann Stufe für Stufe aufbauen.
Hürde 2: Zugang zu Fahrzeugdaten. Moderne Autos lassen sich nur mit den richtigen Daten und Schnittstellen reparieren. Laut einer Befragung der EU-Kommission haben rund 93 Prozent der Vertragswerkstätten Zugriff auf die nötigen Fahrzeuginformationen, bei freien Betrieben sind es etwa 50 Prozent. Die EU reagiert mit der Verordnung (EU) 2026/699, die Hersteller schrittweise zu mehr Offenheit verpflichtet:
| Wann | Was wird verfügbar |
|---|---|
| seit 23.09.2026 | Informationen für die Kommunikation von Diagnosesystemen mit modernen Fahrzeugen |
| 23.12.2026 | Schnittstellen für Variantencodierung, Ersatzteilzuordnung und Steuergeräte-Programmierung |
| Juni 2027 | Fahrzeugbezogene Reparatur- und Wartungsinformationen |
| Juni 2028 | Vollständige Umsetzung, auch Software-Updates |
Quelle: AUTOHAUS, Stand 23. September 2026. Die Werkstatt profitiert erst, wenn Diagnosegeräte die neuen Schnittstellen auch einbinden.
Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg bringt es auf den Punkt: „Ein Anspruch, der in einer Verordnung steht, ist noch kein Zugang in der Werkstatt“ (AUTOHAUS). Die Richtung stimmt aber, und sie ist für freie Betriebe günstig.
Günstig. Flexibel. Ausbaufähig.
Trotz dieser Hürden sehen wir bei kleinen, freien Werkstätten drei Stärken, die im Wandel wichtiger werden.
Günstig. Kleine Betriebe arbeiten mit schlanken Strukturen: kein großer Showroom, kein Konzernapparat, kurze Entscheidungswege. Das hält die Kosten niedrig und macht faire Preise möglich, auch wenn ein Auftraggeber viele Aufträge vergibt. Der ZDK weist zu Recht darauf hin, dass Schulungen, Spezialwerkzeug und Haftung Geld kosten. Wer sie aber gezielt und nur dort einsetzt, wo Bedarf besteht, bleibt wirtschaftlich.
Flexibel. Ein kleiner Betrieb kann schnell reagieren: Er nimmt Aufträge verschiedener Marken an, schiebt Arbeiten bei Auftragsspitzen ein und passt sich an, wenn sich der Bedarf ändert. Großen Werkstattketten fällt das meist schwerer.
Ausbaufähig. Man muss nicht alles gleichzeitig können. Ein Betrieb kann mit Grundqualifikation und Standardarbeiten starten und dann Schritt für Schritt erweitern: Hochvolt-Stufen, Diagnosetechnik, Batterieprüfung, Assistenzsysteme. Jede Stufe bringt neue Aufträge und neue Partner.
Der Kern: Wer klein, beweglich und lernbereit ist, kann in einem Markt voller Veränderungen schneller Nischen besetzen als ein schwerfälliger Großbetrieb.
Für wen eine freie Werkstatt Partner sein kann
Der Begriff „Partner“ ist hier wörtlich gemeint. Aus unserer Sicht gibt es mehrere Gruppen, die verlässliche Werkstätten gut gebrauchen können:
Autohäuser & Händler
Für Aufbereitung, Prüfung und Dokumentation von Gebrauchtwagen, auch für Batteriechecks vor dem Verkauf.
Gewerbe & kleine Flotten
Handwerker, Pflegedienste oder Lieferbetriebe brauchen Fahrzeuge, die zuverlässig laufen, und eine Werkstatt mit kurzen Wegen.
Leasing, Abo & Vermietung
Wartung zum Festpreis und schnelle Rückführung ins Fahrzeug gehören zu diesen Modellen, ein verlässlicher Partner vor Ort hilft dabei.
Privatkunden aus der Region
Wer sein Auto kennt und mit der Werkstatt spricht, wechselt ungern. Vertrauen bleibt der stärkste Faktor.
Wichtig für uns: Eine gute Partnerschaft braucht Klarheit. Welche Arbeiten werden übernommen, wer haftet wofür, wie wird dokumentiert, und wie sehen Preise und Fristen aus? Wer das offen vereinbart, schafft Vertrauen auf beiden Seiten.
Auch die Politik gibt Rückenwind: Die EU-Kommission hat die Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung bewertet. Nach Angaben des ZDK hat sich der Rechtsrahmen bewährt, Defizite gibt es beim Datenzugang. Die Kommission benennt sie klar (AUTOHAUS).
Fazit: Drei Thesen
Interesse an einer Zusammenarbeit? Sprechen Sie uns gern an. Ob Aufbereitung, Prüfung oder Werkstattleistung: Wir besprechen, was sinnvoll ist, und vereinbaren das klar und fair.
Quellen & Hinweis
Zahlen und Fristen stammen aus den folgenden Quellen, Bewertungen und Schlussfolgerungen sind unsere Einschätzung. Die EU-Fristen und politischen Entscheidungen können sich ändern, bitte vor Entscheidungen noch einmal aktuell prüfen.
- AUTOHAUS: Werkstattkosten bei E-Autos, ZDK für differenzierte Betrachtung (26. Januar 2026)
- ingenieur.de: Weniger Ölwechsel, weniger Umsatz, werden E-Autos zum Problem für Werkstätten? (30. Mai 2026)
- AUTOHAUS: Freie Werkstätten im Nachteil, neue EU-Regeln sollen Datenlücke schließen (Stand 23. September 2026)
- AUTOHAUS: ZDK begrüßt EU-Bewertung, Kfz-GVO ist unverzichtbar
- TÜV NORD: Hochvolt Stufe S (sensibilisierte Person)
