Wie sieht die Autowelt in 10 Jahren aus?



Ratgeber

Die Autowelt in 10 Jahren

Ein Ausblick auf 2036 · Autohaus Thulbatal

Im Jahr 2036 wird das Auto vor allem eines sein: ein Stück Software auf Rädern. Antrieb, Bedienung, Service und sogar der Gebrauchtwagenwert hängen dann stärker an Daten und Code als heute an Hubraum und PS.

Dieser Ausblick ist eine Einschätzung, keine Prognose mit Garantie. Er stützt sich auf die Entwicklung der letzten Jahre und auf aktuelle Zahlen. Wer in der Autobranche arbeitet oder ein Auto kauft, sollte die Richtung kennen, auch wenn Tempo und Details offen sind.

1

Antriebe: Elektro wird Standard

Ich erwarte, dass 2036 mehr als die Hälfte aller Neuwagen in Deutschland rein elektrisch fährt, während im Bestand noch viele Verbrenner und Hybride unterwegs sind. Der Trend ist schon heute klar: Im September 2026 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt 34,5 Prozent der neu zugelassenen Pkw reine Elektroautos, ein Rekord (electrive, 5. Oktober 2026).

AntriebNeuzulassungen Sept. 2026Anteil
Elektro (BEV)88.59934,5 %
Hybrid (inkl. Plug-in)98.87138,5 %
Benzin44.63217,4 %
Diesel23.058ca. 9 %

Quelle: KBA via electrive; gesamt 256.774 Pkw. Diesel-Anteil errechnet.

Der Verbrenner verschwindet nicht schlagartig. Ein Auto fährt oft über ein Jahrzehnt, und die Politik schwankt. Nach geltendem EU-Recht dürfen ab 2035 nur noch Neuwagen ohne CO₂-Ausstoß am Auspuff zugelassen werden. Die EU-Kommission hat im Dezember 2025 vorgeschlagen, das Ziel auf 90 Prozent Minderung zu senken. Dann könnten Plug-in-Hybride, Range Extender und Verbrenner weiter neu zugelassen werden. Europaparlament und Mitgliedstaaten haben noch nicht entschieden, die Abstimmung wurde zuletzt vertagt (elektroauto-news, Stand 7. Oktober 2026).

Meine Einschätzung: Selbst wenn die Regeln gelockert werden, entscheiden am Ende Preis und Alltagstauglichkeit. Plug-in-Hybride und synthetische Kraftstoffe bleiben eher Nische, etwa für Vielfahrer ohne Lademöglichkeit, Oldtimer und Spezialfälle.

2

Software: Smartphone auf Rädern

In zehn Jahren kaufen Kunden ein Auto auch wegen seines Betriebssystems. Funktionen wie Fahrassistenz, Navigation, Sitzheizung oder Leistungsstufen kommen als Update über die Luft, manche kostenpflichtig und zeitlich begrenzt. Das Auto verändert sich dann auch nach dem Kauf.

Das hat zwei Seiten. Für Fahrer ist es praktisch, wenn Fehler per Update verschwinden, ohne dass sie in die Werkstatt müssen. Gleichzeitig entstehen Fragen: Wem gehören die Fahrzeugdaten? Wer darf sie auslesen? Was passiert mit Funktionen, wenn ein Hersteller den Support nach einigen Jahren beendet?

Ich rechne damit, dass genau diese Datenhoheit zum politischen und wirtschaftlichen Streitpunkt wird. Je mehr Diagnose, Verschleißdaten und Freischaltungen über die Hersteller-Cloud laufen, desto wichtiger wird der offene Zugang für freie Werkstätten. Wer ihn verliert, verliert Kunden.

3

Autonomes Fahren: Viel Assistenz

Ich erwarte, dass 2036 Level-2- und Level-3-Assistenz serienmäßig ist, vollständig fahrerlose Autos aber nur in ausgewählten Gebieten und Stadtzonen laufen. Dass jedes Auto überall allein fährt, halte ich für unrealistisch.

Die Technik ist weiter, als viele denken. Waymo fährt in US-Städten wie Phoenix, Austin und San Francisco ohne Person am Steuer, in China sind Robotaxis nach Angaben der AUTO ZEITUNG in über 30 Städten im Einsatz. In Deutschland ist Level 4 rechtlich erlaubt, läuft aber vor allem in Pilotprojekten. VW, Moia und Uber wollen den ID. Buzz AD ab 2026 in deutschen Städten testen (AUTO ZEITUNG, Stand Juli 2025).

Die größte Hürde ist weniger die Technik als das Vertrauen. In dem Artikel heißt es, nur rund 30 Prozent der Menschen in Deutschland würden in ein fahrerloses Auto einsteigen.

Für Autofahrer heißt das: Fahrerassistenz wird zum Kaufargument, und Sensoren und Kameras gehören in die Werkstatt, etwa nach einem Glasschaden oder einer Reparatur mit Neukalibrierung.

4

Besitzen, mieten, teilen

Ich glaube, dass 2036 deutlich mehr Menschen ein Auto abonnieren oder leasen, statt es zu kaufen. Dazu gehören Pakete mit Versicherung, Wartung und Reifen zum Festpreis. Der Kauf bleibt aber für viele Familien und auf dem Land die Regel, weil dort ein eigenes Auto Alltag ist.

Carsharing und Robotaxis verändern vor allem die Großstädte. Auf dem Land bleibt das eigene Fahrzeug unverzichtbar, auch weil öffentliche Verbindungen dünn sind. Die Stadt-Land-Schere beim Auto wird eher größer als kleiner.

Bei den Preisen sehe ich zwei Bewegungen: Kleine, einfache Elektroautos werden günstiger, während Software-Funktionen und Ladekosten den Gesamtpreis stark beeinflussen. Beim Vergleich zählen dann die Gesamtkosten pro Monat, nicht mehr der Listenpreis.

5

Werkstatt: Weniger Öl, mehr Elektronik

Für Werkstätten wird der Wandel größer als für die meisten Autofahrer. Elektroautos haben weniger Verschleißteile im Antrieb: kein Ölwechsel, kein Auspuff, weniger Bremsbeläge dank Rekuperation. Das Geschäft mit klassischen Inspektionen schrumpft dadurch Schritt für Schritt.

Dafür wächst anderes: Diagnose und Software, Hochvolt-Technik, Batterieprüfung, Kalibrierung von Assistenzsystemen, Klima- und Wärmepumpentechnik sowie Reifen, die bei schwereren Fahrzeugen schneller verschleißen. Dazu kommt Karosserie- und Glasarbeit, weil Kameras und Sensoren nach einer Reparatur neu eingestellt werden müssen.

Meine Einschätzung für freie Betriebe: Wer Schulungen, Diagnosetechnik und Zugang zu Herstellerdaten hat, bleibt gefragt. Ein Kunde, der seiner Werkstatt vertraut, wechselt nicht gern. Vertrauen und kurze Wege werden damit zum Vorteil kleiner Betriebe vor Ort.

6

Gebrauchtwagen: Akku und Dokumentation

Beim Gebrauchtwagen werden 2036 andere Fragen wichtig sein als heute. Bei Verbrennern zählen Kilometerstand, Motor und Serviceheft. Bei Elektroautos kommt der Batteriezustand dazu, denn er bestimmt Reichweite und Restwert. Ein nachvollziehbarer Batteriebericht wird zum Verkaufsargument.

Damit wächst der Wert von Ehrlichkeit. Käufer wollen wissen, was geprüft wurde, welche Software installiert ist, ob es Unfallschäden gab und welche Mängel bekannt sind. Händler, die ihre Fahrzeuge gründlich prüfen und dokumentieren, haben einen klaren Vorteil gegenüber reinen Online-Plattformen, bei denen Vertrauen schwer aufzubauen ist.

Ich erwarte außerdem mehr Preisunterschiede: Alte Verbrenner mit Fahrverboten oder hohen Kosten könnten an Wert verlieren, gepflegte Hybride und Elektroautos mit gutem Akku bleiben gefragt. Wie stark, hängt von der Politik und der Akkutechnik ab.

Fazit: Drei Thesen für 2036

1
Elektro ist Standard im Neuwagenmarkt, der Bestand ist gemischt. Neue Autos fahren überwiegend elektrisch, viele Verbrenner und Hybride bleiben aber noch lange auf der Straße.
2
Software und Daten entscheiden über Wert und Service. Wer Zugang zu Diagnose- und Fahrzeugdaten hat, kann Kunden weiter betreuen.
3
Vertrauen wird knapper und damit wertvoller. Geprüfte, dokumentierte Fahrzeuge und eine Werkstatt, die erklärt statt zu überraschen, sind in einer komplexeren Autowelt ein Vorteil.

Was Kunden heute tun können: beim nächsten Kauf auf Gesamtkosten und Lademöglichkeit achten, Wartungsnachweise sammeln und eine Werkstatt wählen, die sich mit Elektronik und Assistenzsystemen auskennt.

Quellen & Hinweis

Die Zahlen zu Neuzulassungen und zur EU-Regelung stammen aus den folgenden Quellen, die übrigen Aussagen sind unsere Einschätzung. Beim Verbrenner-Aus und beim autonomen Fahren kann sich die Lage kurzfristig ändern.